Oft wird im Tierreich von dem „geheimen Leben“ gesprochen.
Diesem ist die Biologische Station Ravensberg in Kooperation mit dem LWL am vergangenen Wochenende im Doberg in Bünde nachgegangen
In den späten Abendstunden wurde zum „Insektenleuchten“ eingeladen. Im Fokus standen die Nachtfalter, die erst mit Einsetzen der Dunkelheit aktiv werden und bei der Biologischen Station sonst weniger Aufmerksamkeit bekommen.
Während es in den Wochen und Monaten zuvor kaum geregnet hatte, war es an diesem Abend tatsächlich so weit: der ersehnte Regen setzte ein – und der Erfolg des Abends hing zunächst davon ab, dass dieser rechtzeitig eine Pause einlegt. Pünktlich um 21:30 Uhr, ungefähr eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang, ließ der Regen nach. Kurze Zeit später erklärte der bekannte Entomologe Patrick Urban – unterstützt von Markus Pischel, dass die nun höhere Luftfeuchtigkeit sogar die Aktivität der Nachtfalter fördern kann.
Vom Licht angelockt – daran orientieren sich die Falter – kamen schon bald die ersten Exemplare angeflogen. Diese wurden von den vielen interessierten Besuchenden an den aufgestellten Leuchttürmen beobachtet und bestimmt.
Im Laufe der folgenden drei Stunden wurden mehr als 60 Arten dokumentiert. Darunter waren sogar zwei Arten, die im Weserbergland auf der Roten Liste stehen: Der Eschen-Zackenrandspanner und der Weidenalant-Zünsler.
Viele Arten fielen durch ihren besonderen Namen auf, wie zum Beispiel der Osterhasenfalter, der Rhabarberzünsler, der Sturmvogel und der Schwefelgelbe Flockenblumen-Wurzelfresser. Doch eines haben viele der Arten gemein: Sie tragen ihren Lebensraum bzw. die Pflanzenart, auf die sie angewiesen sind, in ihrem Namen. So zum Beispiel der Ampfer-Spanner, die Trockenrasen-Halmcheneule, der Magerrasen-Graszünsler und die Wasserdost-Federmotte.
Seit mittlerweile fünf Jahren läuft im Kreis Herford der bekannte Bioblitz über die Plattform Observation.org. Viele aktive „Bioblitzende“ waren am Samstagabend ebenfalls vor Ort und unterstützten die Erfassung der Arten mit Hilfe der App ObsIdentify. So konnte auch die Gesamtartenliste für den Kreis Herford erweitert werden.
Das Fazit der Veranstaltung: Ein entspannter Abend, bei dem Austausch, Neugierde, Farbenvielfalt und Faszination im Fokus standen. Die Begeisterung bei den Teilnehmenden war so groß, dass eines bereits feststeht: Das „Insektenleuchten“ soll wiederholt werden – dann an einem anderen Ort im Kreis Herford.
