Praktischer Schutz der Feldlerche (Alauda arvensis) im Kreis Herford

gefördert durch die Stiftung für die Natur Ravensberg

Ein Gemeinschaftsprojekt der Biologischen Stationen Gütersloh Bielefeld (Ansprechpartnerin dort: Conny Oberwelland) und der Biologischen Station Ravensberg im Kreis Herford (Ansprechpartner: Klaus Nottmeyer).

Laufzeit:
1. Projektzeitraum 2005 - 2007,
2. Projektzeitraum 2008 - 2010

Abschlußbericht 2005 - 2007:
PDF-Download (1,3 MB)

Ergebnispräsentation 2005 - 2008:
Download (1,6 MB)

Flyer zum Projekt (Herford):
PDF-Download (300 KB)

Film zum Projekt:
einen kurzen Beitrag des WDR in der Sendung OWL-Natur

 
Die Feldlerche


Die Ergebnisse aus der Region Gütersloh/Bielefeld finden Sie unter www.biostation-gt-bi.de.



Die Feldlerche ist ursprünglich ein reiner Steppenvogel und ein typischer Kulturfolger, d.h. erst durch die Ackernutzung des Menschen ist sie in weite Bereiche Europas eingewandert.

Als Begleiter des auf dem Land wirtschaftenden und lebenden Menschen findet man zahllose Spuren der Feldlerche in der Kunst.

Ein Beispiel ist Joseph von Eichendorffs „Morgen“:

   Im Osten graut’s, der Nebel fällt.
   Wer weiß, wie bald sich’s rühret.
   Im tiefen Schlaf noch ruht die Welt,
   Von allem nichts verspüret.

   Nur eine frühe Lerche steigt,
   Als hätt’ ihr was geträumet,
   Vom Lichte, wenn noch alles schweigt,
   Das kaum die Höhen säumet.

Die Feldlerche ist heute ein Charaktervogel der offenen Agrarlandschaft. Als Bodenbrüter benötigt sie kleinräumige, landwirtschaftliche Nutzflächen mit locker bewachsener, niedriger Vegetation. Die Jungvögel werden ausschließlich mit Insekten gefüttert. Für ein ausreichendes Nahrungsangebot sind daher blütenreiche Feldränder notwendig, die eine Vielzahl an Insekten anlocken.

Pro Jahr finden zwei bis drei Bruten statt. Die Brutreviere werden von den Männchen durch langandauernde, jubilierende Singflüge in bis zu 100 Metern Höhe gekennzeichnet.

Die Feldlerche hat in den letzten drei Jahrzehnten in vielen Gebieten Mitteleuropas starke Bestandseinbrüche zu verzeichnen. Auf der aktuellen Roten Liste für NRW 2008 muss sie mit „gefährdet“ eingestuft werden.

Hier knüpft das Projekt für den Feldlerchenschutz an. Bei der Entwicklung konkreter Schutzmaßnahmen wurden auch Erfahrungen aus ähnlichen Projekten, z.B. aus England und der Schweiz, aufgegriffen und auf die lokalen Gegebenheiten angepasst.

1. Projektzeitraum 2005 - 2007

Die praktische Umsetzung der Maßnahmen erfolgt mit örtlichen Landwirten.

Lage der Untersuchungsgebiete im ersten Untersuchungszeitraum im Kreis Herford

In fünf ausgewählten Untersuchungsgebieten wurde 2005 bis 2007 der Bestand der Feldlerchen ermittelt. Dabei wurden während der Brutzeit von April bis Ende Juni vor allem die Singflüge der Männchen erfasst, woraus die zu dem Kartierzeitpunkt herrschenden Revierverhältnisse abgeleitet werden konnten.

Im Jahr 2007 gelang im Kreis Herford sogar ein Gelegefund, was bei der Feldlerche sehr selten ist. Leider wurde das Gelege mit vier Eiern später ausgeraubt, was auch deswegen passiert, weil die Feldlerchen auf den bestellten Feldern bevorzugt am Rand der Schlepperspuren ihre Nester baut. Hier laufen aber auch oft potentielle Bodenfeinde der Lerche entlang, wie Fuchs, Marder oder auch Hauskatze.

  Gelegefund der Feldlerche 2007

Feldlerchenreviere in den Jahren 2005 bis 2007 im Kreis Herford

Untersuchungsgebiet
Feldlercherreviere
2005
2007
Elseniederung
15
13
Böckel
13
11
Dünne
7
7
Bardüttingdorf
6
8
Westerenger
4
3
Insgesamt
45
42

Schutzmaßnahmen für die Feldlerchen

Dank reger Beteiligung ortansässiger Landwirte sind verschiedene Schutzmaß-nahmen für die Brutsaison 2006 und 2007 umgesetzt worden. Mit Hilfe klein-flächiger Extensivierungen soll ein erhöhtes Angebot an Neststandorten mit niedriger und weniger dichten

  Anlage eines Blühstreifens
Vegetation auch ab 2008 in den Untersuchungsgebieten geschaffen werden.
Ebenso sollte das Nahrungsangebot in den sonst monotonen Kulturflächen verbessert werden, indem z.B. eine spezielle Blühmischung streifenförmig eingesät wurde.

Großen Erfolg erzielen offenbar Blühstreifen
(2 im Gebiet Böckel) oder Blühflächen (1 große Fläche an der Elseniederung). Mit ausgewählten Einsaat-mischungen werden Streifen in Äckern oder ganze Flächen eingesät.
Diese Bereiche werden von Feldlerchen intensiv genutzt, mitunter sicher auch als Brutstandort, vor allem aber zu Nahrungssuche.

  Blühfläche in der Elseniederung
In diesen Blühflächen halten sich auch viele andere Vogelarten auf, wie Rebhuhn, Wiesenschafstelze oder Feldsperling.

Fazit der bisherigen dreijährigen Projektzeitraumes

  • Breite Zustimmung bei den angesprochenen Landwirten

  • Zusammenarbeit Landwirtschaft und Naturschutz auf dem Gebiet der Ackernutzung verläuft sehr erfolgreich
  Zusammenarbeit Landwirtschaft und Naturschutz
  • Kontrollen über die Bestandsentwicklung der Feldlerche unverzichtbar, um Effizienz der Maßnahmen einschätzen zu können

  • Der materielle Aufwand ist vergleichsweise gering

  • Bestände der Feldlerchen profitieren von Maßnahmen – und mit ihnen auch andere Arten wie Wachtel, Rebhuhn und Schafstelze

Die Vorstellung des Projektes in der Öffentlichkeit erfolgt durch Vorträge, Exkursionen, die im in den Untersuchungsgebieten angeboten werden und durch Veröffentlichungen in lokalen Zeitungen.

2. Projektzeitraum 2008 - 2010

Für den 2. Projektzeitraum wurde das Untersuchungsgebiet auf Grund der Ergebnisse der ersten Untersuchung auf drei Bereiche reduziert: Bökel, Elseniederung und Bardüttingdorf.

Lage der Untersuchungsgebiete im Kreis Herford

Lage der Untersuchungsgebiete im zweiten Untersuchungszeitraum im Kreis Herford

Maßnahmen:

Die durchgeführten Maßnahmen konzentrierten sich 2008 auf die im ersten Untersuchungszeitraum sich als sehr wirksam herausgestellten Maßnahmentypen:

  • Doppelter Reihenabstand
  • "Fenster" (Fehlstellen)
  • Blühstreifen, -flächen

Durch die hohe Akzeptanz des Projektes bei den Landwirten und einen gesteigerten Betreuungsaufwand durch die Projektmitarbeiter konnten die Einzelmaßnahmen erheblich gesteigert werden.

  doppelter Reihenabstand

"Fenster" (Fehlstellen)

Blühstreifen, -flächen


Ergebnis:

Trotz der gestiegenen Maßnahmen ist ein Rückgang der Reviere zu verzeichnen: ist das ein allgemeiner Trend ?!
Das die Feldlerche im Weserbergland auf der Roten Liste mit Kategorie 2 ist spricht für diese Annahme.

Feldlerchenreviere in den Jahren 2007 und 2008 im Kreis Herford

Untersuchungsgebiet
Feldlercherreviere
2007
2008
Elseniederung
13
6
Böckel
11
6
Bardüttingdorf
8
8
Insgesamt
32
20


Fazit:

  • Die Bestände der Feldvögel profitieren von den Maßnahmen –wenn auch unterschiedlich (z. B.: Kombination von Blühstreifen und Fenster)
  • Kontrollen - auch über die Bestandsent-wicklung - sind unverzichtbar, um die Effizienz der Maßnahmen einschätzen zu können
  • Der materielle Aufwand ist vergleichsweise gering
  • Der Aufwand für die persönliche Kontaktaufnahme und die Präsenz vor Ort war höher als erwartet
  • Die Mitarbeit der Landwirte ist sehr positiv und stetig - ein persönlicher Kontakt war aber dafür eine wichtige Voraussetzung!
 


Infotafel: Wildtierfreundlicher Ackerbau

Weiter ist festzuhalten:

  • Die Maßnahmenumsetzung ist unbürokratisch und individuell
  • Eine landesweite Ausdehnung ist sehr zu begrüßen
  • Die Frage des Monitoring muss geklärt werden
  • Eine Kombination der Feldlerchenfenster mit anderen Maßnahmen ist notwendig und anzustreben
  • Die Maßnahmen werden nur dann den Rückgang der Feldvögel aufhalten helfen, wenn landesweites Programm ausgebaut und personell besser ausgestattet wird!