Wie kam es zum »Naturräumlichen Fachkonzept Biologische Stationen in NRW«

Die vorliegende kleine Übersicht zur Entwicklung des »Naturräumlichen Fachkonzeptes Biologische Stationen NRW« fußt in wesentlichen Teilen auf einer ersten Lektüre und Analyse umfangreicher Unterlagen aus den Handakten von Thomas Neiss im Archiv der Stiftung Naturschutzgeschichte in Königswinter. Aufgrund der Fülle des Materials kann dies nur ein erster Schritt zu einer intensiveren Darstellung dieses ganz besonderen und bundesweit einmaligen Projektes des deutschen Naturschutzes sein. Hinzugefügt habe ich etliche eigene Eindrücke, Erlebnisse und Erinnerungen aus fast 25 Jahren, in denen ich als ehren- und hauptamtlicher Vertreter im Umfeld der Biologischen Stationen in Nordrhein-Westfalen (NRW) aktiv gewesen bin. Dazu kommen Ergebnisse einiger Gespräche mit diversen beteiligten Personen. Für Korrekturen und Anregungen zu den sicher auch persönlich eingefärbten Ausführungen bin ich dankbar.

 
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Das Grundgerüst zur Entstehung eines in dieser Form einmaligen Netzes von regionalen Naturschutzeinrichtungen bildete das 1990 veröffentlichte »Naturräumliche Fachkonzept «. Schon über 20 Jahre vorher war die Gründung ihrer Urform, der Station in den Rieselfeldern Münster, erfolgt; weitere Einrichtungen orientierten sich an diesem Vorbild. Eine Ausweitung der Förderung in Form eines regelrechten Programms erschien immer wieder in Ansätzen als Formulierung und Anregung in den gesichteten Unterlagen. Ein Konzept für das Netz von Biologischen Stationen in NRW »lag in der Luft«. Die
1980er Jahre – noch vor dem Eintritt der Grünen in die Landesregierung– erscheint im Rückblick als die ideale Zeit, um einem Konzept wie diesem den Weg zu bahnen. Nachdem der Plan zur Realisierung dieses einfachen und guten Gedankens in die Realität umgesetzt worden war, erhob sich heftige Kritik – eigentlich von allen Seiten. Und erstaunlich wenig Lob. Haushälterischer und politischer Druck bewirkte 15 Jahre später eine Neufassung des Konzeptes – gerade rechtzeitig, um finanziellen Einschnitten und politischem Gegenwind entgegentreten zu können. Dennoch konnten die negativen Einflüsse das Netz
der Stationen nicht zerreißen. Heute verbreitet sich im Land NRW und weit darüber hinaus die Ansicht, dass die Einrichtung dieses »Sozialwerkes für die Natur« (Neiss 1995) ein segensreicher Schachzug für den Naturschutz war. Trotz formaler und auch inhaltlicher Mängel des Fachkonzeptes von1990 hat es die Implementierung dieses Netzes überhaupt erst ermöglicht.

Bei der Durchsicht vieler Schriftstücke aus dieser Zeit fällt auf, dass nicht nur der Start zum Aufbau der heute 40 Stationen in NRW im wahrsten Sinne des Wortes die Handschrift des langjährigen Abteilungsleiters Thomas Neiss trägt. Auch die Bewältigung der vielen Krisen danach war eine immerfort währende Aufgabe, die allen Unkenrufen zum Trotz von Erfolg gekrönt war. Bei der Verabschiedung in den Ruhestand überreichten die Biologischen Stationen dem »Vater« dieses besonderen Sozialwerkes einen Präsentkorb mit zahlreichen lokalen Produkten aus naturnaher Nutzung der Kulturlandschaften des Landes Nordrhein-Westfalen – unter dem beziehungsvoll doppeldeutigen Titel: »Die Früchte Ihrer Arbeit«. Dem ist auch heute nichts hinzuzufügen.

Mensch Kultur Natur, Band 2 - Jenseits der scheinbaren Gewissheiten, Seite 281-295

Fachbeitrag von: Klaus Nottmeyer

Herausgegeben 2016 durch den Klartextverlag.

Druck: Pátria Druckerei AG

Bezug: auf Bestellung hier in der Biologischen Station Ravensberg im Kreis Herford e.V. erhältlich.