Herkulesstaude - gefährliche Schönheit

Es kommt immer wieder vor, dass Kinder nach dem Spielen in Wiesen mit Hautreizungen in Form von Rötungen und leichten Schwellungen nach Hause kommen. Diese Symptome werden als „Wiesen-Dermatitis“ bezeichnet. Sie sind jedoch nichts im Vergleich zu den Verletzungen, die man sich nach einem Hautkontakt mit der Herkulesstaude zuzieht. Sind die Kontaktstellen dann dem Sonnenlicht ausgesetzt, können schwere Hautverbrennungen, Verfärbungen und Schwellungen entstehen, die durch die im Saft der Pflanze enthaltenen phototoxischen Substanzen hervorgerufen werden. Im schlimmsten Fall können empfindliche Menschen oder Allergiker sogar einen anaphylaktischen Schock erleiden. Daher sollten Kinder nicht in die direkte Nähe der Pflanzen kommen oder mit Pflanzenteilen spielen. Aber auch für Erwachsene ist der Kontakt gefährlich.

  Herkulesstaudenreinbestand am Feldrand

Herkulesstauden wachsen oft am Wegrand

Warum die Herkulesstaude auch für unsere Natur nicht gut ist

Die Herkulesstaude wurde im 19. Jahrhundert aus dem Kaukasus eingeführt und breitete sich in Nordrhein-Westfalen schnell aus. Die mehrjährige Riesendolde wurde als botanische Sensation und als Bienenweide in Parks- und Gärten in Deutschland gepflanzt und ist von dort aus verwildert. Typische Lebensräume sind die Ufer von Flüssen und Bächen, Straßenböschungen, Bahnlinien, Waldränder und Brachflächen. Eine Pflanze kann bis zu ca. 100.000 Samen produziert und ist in der Lage, schnell große Bestände aufzubauen.

Auch im Kreis Herford gibt es an einigen Stellen schon Reinbestände von Herkulesstauden. Sie beschatten den Boden so stark, dass einheimische Pflanzen völlig unterdrückt werden. An Fließgewässern stellen diese „Herkulesstaudenwälder“ auch noch eine starke Erosionsgefahr dar. Anders als Pflanzen, die hier natürlich vorkommen, hält der Gigant das Ufer mit seiner Pfahlwurzel nicht fest.

Bekämpfung der Herkulesstaude (Riesenbärenklau)

Die Biologische Station führt schon seit mehreren Jahren Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Riesenbärenklaus durch. Da bisher noch kein "Patentrezept" für die Bekämpfung existiert, sind die Biostationsmitarbeiter mit unterschiedlichen Methoden gegen die Pflanze vorgegangen.
Um eine Massenverbreitung zu verhindern sollte die Samenentwicklung gestoppt werden. Am wirksamsten erwies sich dabei das komplette Entfernen der Pflanze inklusive dem Ausgraben der Wurzel. Die Blüten- und Samenstände müssen entsorgt werden, da auch abgeschnittene Blütendolden nachreifen und Samen produzieren können. Auf den bearbeiteten Flächen ist eine sorgfältige Nachkontrolle erforderlich.

In den von der Station betreuten Naturschutzgebieten wurden so erste Erfolge erzielt. Da die Pflanze sich aber nicht nur in den NSG angesiedelt hat, sondern sich im ganzen Kreisgebiet ausbreitet und sich dabei nicht an Zuständigkeitsgrenzen zwischen Bund, Land, Kreis, Kommunen und Privaten hält, ist eine übergreifende Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Riesenbärenklaus besonders wichtig.

Das Projekt

Aus diesem Grund hat die Untere Landschaftsbehörde (Kreis Herford) zusammen mit der Biologischen Station Ravensberg und den neun Kommunen ein mehrjähriges Projekt zur Bekämpfung der Herkulesstaude ins Leben gerufen.

Das Projekt wurde im Juni 2005 gestartet und wird seit dem in der gesamten Vegetationsperiode der Herkulesstaude durchgeführt. So wurden auch in diesem Jahr im Mai die Tätigkeiten wieder aufgenommen. Die Koordination des Projektes hat die untere Landschaftsbehörde übernommen. Der Einsatz, die Anleitung und Betreuung der Mitarbeiter sowie die Erfolgskontrolle wird sowohl von der Biologischen Station als auch von der unteren Landschaftsbehörde durchgeführt. Die durch das Projekt gewonnenen Daten werden so gesammelt, ausgewertet und dokumentiert, dass sie als Grundlage für die effektive Bekämpfung in den kommenden Jahren dienen.

Eine selbst herausgebrachte Broschüre (siehe rechts) soll dabei helfen, die Bevölkerung über die Herkulesstaude und die Bekämpfungsmöglichkeiten aufzuklären.

Weitere Informationen zum Projektjahr 2006 sind in dem hier archivierten Zeitungsartikel der Neuen Westfälischen (PDF-Datei, 1,2 MB) nachzulesen

 


Ergebnisse aus dem Projekt 2016 :

  • Herkulesstauden kommen in allen Kommunen des Kreises Herford vor. Schwerpunkt der Verbreitung ist in Vlotho mit 34 Standorten.

  • von den 342 bekannten Standorten im Kreis Herford werden 84 von der Biologischen Station bearbeitet. Es handelt sich um Flächen mit einzelnen Pflanzen bis hin zu einer Fläche mit über 870 Exemplaren.

  • 17 Standorte wurden 2016 im Rahmen dieses Projektes durch Ausstechen der Wurzel, der einzigen wirksamen Methode, bekämpft. Insgesamt wurden alleine durch die Biostation gut 3200 Pflanzen entfernt.

  • 67 Standorte wurden in den vergangenen Jahren erfolgreich bekämpft, so dass diese 2016 durch die Stationsmitarbeiter nur noch kontrolliert wurden.

  • 255 Arbeitsstunden hat allein die Biologische Station Ravensberg zusammen mit ihren Helfern im Jahr 2016 in die Bekämpfung der Herkulesstaude investiert.


Übersichtskarte

Die Übersichtskarte zeigt die uns bekannten und kartierten Herkulesstaudenstandorte (Stand 22.11.2016). Durch Klick auf die Karte öffnet diese sich in besserer Qualität.



Ansprechpartner:

  • Untere Landschaftsbehörde:
    Jutta Bergmann und Peter Nipper-Hansen, Tel.: 05221 132322
  • Biologische Station Ravensberg:
    Ulrike Letschert und Thomas Wehrenberg, Tel.: 05223 78250

Wir brauchen aber auch Ihre Hilfe
um der Staude Herr zu werden! Darum bitten wir um Ihre tatkräftige Unterstützung:

  • für die Erfassung der bestehenden und sich neu ausbreitenden Herkulesstaudenbestände, da uns mit Sicherheit nicht alle Standorte bekannt sind. Bitte informieren Sie die Biologische Station über die Ihnen bekannten Standorte.
  • auch bei der Bekämpfung selbst ist Ihre Mithilfe gefragt. Je mehr Leute sich an der Bekämpfung der Herkulesstaude beteiligen, um so größer sind die Erfolgsaussichten!

Was man nicht tun sollte:

  • nicht in Panik geraten sobald man eine große Pflanze mit weißen Doldenblüten sieht
  • die Pflanzen nicht ziellos mit Hacke und Spaten, womöglich mit Chemikalien, zu vernichten suchen
  • schon gar nicht die Blüten- und vor allem nicht unreife (sie reifen nach!) oder reife Fruchtstände in der Landschaft verteilen!

Was man tun sollte:

  • Wenn man auf eine verdächtige Pflanze trifft, unbedingt prüfen ob es sich nicht vielleicht um den einheimischen Bärenklau handelt, denn der sollte unbedingt stehen gelassen werden. Zur Bestimmungshilfe kann untenstehende Tabelle genutzt werden.
  • Wenn Sie im Garten oder in der Umgebung an Straßen- und Waldrändern Standorte der Herkulesstaude finden, die nur wenige Pflanzen umfassen (Einzelpflanzen), empfehlen sich folgende Maßnahmen: Am Besten ist es, die Jungpflanzen ab April/Mai mit einem Spaten auszustechen und die Wurzeln verdorren zulassen in dem man sie in die Sonne legt. Die Fläche sollte man den ganzen Sommer immer wieder kontrollieren und die Arbeit ggf. wiederholen. Falls doch einige Pflanzen zur Blüte kommen, sollten die Blütenstände vorsichtig entfernt und in der Restmülltonne entsorgt werden. Nicht kompostieren, nicht in die Komposttonne - Ausbreitungsgefahr!!
    Entsorgung der Blüten in Mülltüten bzw. Restmülltonne
  • Bei größeren Beständen kann es auch hilfreich sein , wenn man die Pflanzen kurz vor der Blüte abmäht und die Wurzeln in ca. 20cm Tiefe absticht. Das Mähen muss mindestens sechsmal in einer Saison im Abstand von 10-14 Tagen wiederholt werden. Dabei sollte man unbedingt auf niedrig wachsende „Notblüten“ achten, die vorher zu entfernen sind. Nach einem Jahr ist die Arbeit leider nicht getan, die Samen im Boden bleiben mindestens 10 Jahren keimfähig, so dass auch in den Folgejahren die Fläche immer wieder kontrolliert werden muss.
  • Vor allem wenn Sie größere Ansammlungen der Staude entdecken, aber auch bei Einzelfällen an Straßen, melden Sie sich bitte beim Kreis oder der Biologischen Station Ravensberg.


Schutzmaßnahmen:

Ganz wichtig bei Arbeiten mit der Herkulesstaude ist die Schutzkleidung.
Dazu gehören:

  • Handschuhe, die mit
  • einem langärmeligen Hemd / Sweatshirt abschließen,
  • lange Hose, feste Schuhe
  • evtl. Gesichtschutz und
  • Sonnencreme

Falls doch Hautkontakt mit Pflanzenteilen oder dem Saft erfolgt ist, sofort mit klarem Wasser abspülen, die Stelle mit Sonnencreme einreiben und vor der Sonne verstecken. Das Abheilen dauert meist ein bis zwei Wochen. Auch danach sollte die Sonne gemieden werden. Bei stärkeren Beschwerden sollte unbedingt der Hausarzt aufgesucht werden.


Herkulesstaude oder einheimischer Wiesen-Bärenklau ?

Vergleich von Herkulesstaude und Bärenklau
Vergleich
Herkulesstaude (Riesenbärenklau)
(Heracleum mantegazzianum)
Wiesen-Bärenklau
(Heracleum sphondylium)
Größe 2-4m 0,50-1,50m
Stängel am Grund bis 10cm dick, rot gefleckt kantig gefurcht, steifborstig
Blätter tief eingeschnitten spitze Blattabschnitte, sehr groß, Farbe meist grasgrün
Herkulesstaudenblatt

gelappte, rundliche Blattabschnitte, Farbe meist dunkelgrün
Blatt des Bärenklaues

Blüten Dolden 50-150strahlig,
bis 50cm Ø
Blüte der Herkulesstaude

Dolden 6-25strahlig,
bis 20cm Ø
Blütes des Bärenklaues

Früchte
10-14mm lang und 6-8mm breit, mit borstig behaarten Randflügeln

Frucht der Herkulesstaude

6-10mm lang und 6-9mm breit, kahl oder weichhaarig

Bärenklau-Frucht

Standorte besonders Flussufer, Grünlandbrachen Wald- und Wegränder, Parkanlagen, Gärten Wiesen, Uferstaudenfluren, Grabenböschungen, Wald- und Wegränder