Das Grünlandprojekt

Extensiv genutzte Grünlandflächen bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Sie gelten deshalb als ökologisch wertvoll und erhaltenswert. Ihre Existenz ist einerseits durch eine Intensivierung der Grünlandnutzung, andererseits durch eine Nutzungsaufgabe gefährdet.

Im Kreis Herford gibt es keine großen zusammenhängenden Grünlandbereiche.
Grünlandflächen liegen weit verstreut im gesamten Kreisgebiet. Knapp 1.800 ha finden sich in den 39 Naturschutzgebieten des Kreises, weitere ca. 1.000 ha liegen innerhalb der besonders festgesetzten Landschaftsschutzgebiete. Weitere zumeist kleine Flächen sind allenfalls durch einfachen Landschaftsschutz abgesichert.

  extensive Wiese im NSG Elseaue

Ca. 300 ha Grünland befinden sich in öffentlicher Hand, für weitere ca. 320 ha wurden Bewirtschaftungs- bzw. Pflegeverträge nach dem Kreiskulturlandschaftsprogramm (KKLP) geschlossen.

Im Rahmen des Grünlandprojektes sollen aus vorhandenen Unterlagen alle Informationen zu Bestand, Eigentumsverhältnissen, aktueller Nutzung und qualitativer Ausprägung des Grünlandes zusammengetragen und - soweit notwendig - aktualisiert und ergänzt werden. Die Darstellung erfolgt in Karten und Tabellen im GIS ArcView. Das einmal erstellte Kataster kann dann problemlos fortgeschrieben und laufend aktualisiert werden.

Die Arbeiten werden z.T. im Rahmen eines Werkvertrages vergeben und z.T. von Mitarbeitern der Biologischen Station erledigt. Das Projekt basiert dazu auf einer engen Zusammenarbeit mit dem Kreis Herford.

Ziel des Projektes ist es, zu einer Beurteilung der einzelnen Grünlandflächen hinsichtlich ihrer naturschutzfachlichen Wertigkeit und ihres Entwicklungspotenzials zu kommen. Auf dieser Grundlage sollen für die Nutzung bzw. Pflege des Grünlandes konkrete Maßnahmen, die sich möglichst am KULAP orientieren sollen, erarbeitet werden.

  Mahd des Grünlandes

Heupressen

Eine sich (möglicherweise) aus der ökologischen Wertigkeit ergebende Rangliste für die Nutzung bzw. Pflege von Grünlandflächen bietet die Chance, die knappen finanziellen Mittel und personellen Ressourcen für eine fachlich abgesicherte und zukunftsorientierte Grünlandentwicklung zielgerichtet und effizient einzusetzen.

Im März 2004 wurden erste Ergebnisse zusammengefasst. Der ausführliche Bericht sowie die Kartieranleitung können in Form von PDF-Dokumenten im vollen Umfang geöffnet werden:

Erläuterungsbericht (PDF-Datei, 207 KB)

Kartieranleitung (PDF-Datei, 114 KB)


An dieser Stelle wird ein Auszug aus dem Bericht wiedergegeben:

Der Kreis Herford verfügt bei einer Gesamtfläche von ca. 450 km² in den Kategorien Naturschutzgebiet, besonderes Landschaftsschutzgebiet und Geschützter Landschaftsbestandteil über eine Schutzgebietsfläche von insgesamt 4.714 ha. Das entspricht einem Anteil von etwa 10,5 %.

Die im Rahmen des Grünlandprojektes betrachteten Schutzgebiete teilen sich wie folgt auf die Gesamt-Schutzgebietsfläche auf:



Insgesamt konnten ca. 85% der Grünlandfläche mit einem eindeutigen Biotopcode oder zumindest mit einer Kombination belegt werden. Somit sind ca. 15 % der Flächen hinsichtlich ihrer Zuordnung unklar. Auf diesen Flächen ist lediglich davon auszugehen, daß es sich um Grünland im weiteren Sinne han-delt.

Gut die Hälfte der Grünlandfläche (54,3 %) ist den trockenen bis frischen Biotoptypen zuzuordnen. Hierbei nehmen die frischen Wiesen (EA0) und frischen Weiden (EB0) mit über 42% der Gesamtgrünlandfläche den weitaus größten Teil ein. Jeweils unter 3 % liegen die weiteren Biotoptypen der trockenen bis frischen Standorte.

28% der Gesamtgrünlandfläche wird von den Biotoptypen des Nass- und Feuchtgrünlandes gestellt. Dabei sind die Biotoptypen EC1, EC2 und EE3 mit deutlichem Abstand am häufigsten vertreten. Auffällig ist der mit über 38% überdurchschnittlich hohe Anteil des Feuchtgrünlands im Bereich der Naturschutzgebiete, während die entsprechenden Biotoptypen im Bereich der bLSG mit nur knapp 20% unterrepräsentiert erscheinen.

Erwähnenswert ist der Anteil der Brachflächen oder zumindest unregelmäßig genutzten Flächen im Bereich des Feuchtgrünlandes. Rechnet man die Anteile der Biotoptypen EE3, EC1/EE3 und CD0 zusammen, so werden über 27% des gesamten Feuchtgrünlands entweder nicht mehr oder nicht mehr regelmäßig genutzt. Hieraus wird gemäß den einleitenden Erläuterungen die Notwendigkeit eines kreisweiten Grünlandkonzeptes deutlich ersichtlich.