Steinkauz (Athene noctua)

(Nordrhein-)Westfalen trägt eine besondere Verantwortung für den Steinkauz aufgrund des, deutschlandweit gesehen, hohen Brutbestandes in unserem Bundesland. Eine Anfang der 90er Jahre durchgeführte Bestandserhebung ergab einen geschätzten Bestand von ca. 2.700 Revieren in Westfalen. Im gesamten Bergland fehlt der Steinkauz als Brutvogel aufgrund von Bewaldung so gut wie völlig. Eine Wiederbesiedlung des tiefer gelegenen Weserberglandes mit dem Kreis Herford konnte dank unterstützender Maßnahmen ab dem Jahr 2000 verzeichnet werden und konzentriert sich mit einigen Brutpaaren auf den Großraum Bünde. Durch die Pflege von potentiellen Brutbäumen, das anbringen von 40-50 Brutröhren und die Hilfe vieler unverzichtbarer, ehrenamtlicher Helfer sowie finanzieller Unterstützung durch die Sparkasse Herford konnte der Steinkauz in den letzten Jahren den Kreis Herford wieder zu seiner Heimat zählen.

 

Steinkauz: Illustration von Ron Meier

Der Steinkauz: Illustration von Ron Meier

2005 konnten in künstlichen Quartieren 5 Bruten mit insgesamt 12 Jungtieren gezählt werden (bei einer dieser Bruten konnte die Jungvogelanzahl nicht mehr ermittelt werden, da sie bereits ausgeflogen waren).
Obwohl tendentiell eine Zunahme der Art verzeichnet werden kann, gilt sie weiterhin bei uns als stark gefährdet, unter anderem durch die geplante Umgehungsstraße L557n, die durch das Biotop der Population führen soll.

Verbreitungskarte Steinkauz 2012

Verbreitungskarte 2012 im Kreis Herford, eingeteilt in TK25-Viertel
Link zur Legende der Karte

Allgemeine Informationen

Der Name Athene stammt von den alten Griechen, die ihn als Begleiter der gleichnamigen Kriegs- und Friedensgöttin verehrten. Ursprünglich in Nordafrika und Zentralasien heimisch, konnte sich der kleine Eulenvogel erst im Mittelalter als Kulturfolger im Zuge der großen Waldrodungen nach Mitteleuropa ausbreiten. Seit jener Zeit wurde er wegen seines nächtlichen Rufes ("kuwitt": komm´ mit) als Vogel, der den Tod ankündigt, gefürchtet.

Lebensraum

  • Offene Kulturlandschaften, flache Grünlandgebiete mit ganzjährig kurzrasiger Vegetation (Viehweiden) und zahlreichen Ansitzstellen für die Jagd (Zaunpfähle, Einzelbäume)
  • Ausreichende Nisthöhlenangebote in alten Kopfweiden und Obstbäumen sowie alten Gebäuden, Scheunen, Schuppen oder Viehunterständen.


Gefährdungsursachen

Hauptursache für den Rückgang des früher häufigen Steinkauzes war und ist die Veränderung der Landnutzung. Hofnahe Weideflächen und extensiv genutzte Grünlandgebiete werden immer seltener, Obstwiesen gehen als Bauland verloren und Kopfbäume werden nicht mehr geschneitelt. Durch die Modernisierung von Hofgebäuden gehen zudem viele Brutnischen und sichere Ruheplätze verloren.

Rote Liste NRW

  • Kategorie 3: "gefährdet"

Hilfsmaßnahmen

  • Schutz der vorhandenen, intakten Steinkauz-Reviere
  • Erhalt von Einzelbäumen, Alleen, Kopfbaumreihen und Obstbäumen
  • regelmäßige Pflege von Kopfweiden und Obstbäumen sowie Bewirtschaftung des Grünlandes (denn nur auf Flächen mit kurzer Vegetation sind die bevorzugten Beutetiere wie z.B. Insekten und Regenwürmer für den Steinkauz erreichbar!)
  • Information von Hof- und Landbesitzern, da viele Steinkauzpaare als „Kulturfolger“ vom Menschen genutzte Bereiche zu ihrem Lebensraum zählen und so vor unbeabsichtigter Vertreibung und Unfällen (Tod in Tränken, Regentonnen oder Netzen) geschützt werden können.